"Die Ausstellung »Common History and Its Private Stories. Geschichte und Geschichten« erinnert an den 20. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer. Jedoch soll dieses Faktum weniger als wichtigstes
Ereignis der jüngeren europäischen Geschichte, sondern vielmehr als Veränderung mit massiven Auswirkungen verstanden werden – als Ereignis, das eine Reihe politischer und globaler Geschehnisse nach
sich zog, die unser Leben in den letzten 20 Jahren geprägt haben. "
zwei wunderbare Arbeiten haben mein Interesse geweckt, eine Videoarbeit von Anna Jermolaewa, die ich in einem anderen Zusammenhang schon staunend beobachtet habe (kann mich blos nicht
erinnern, wo). (Die Videoarbeit, nicht die Anna)
Trying to survive, 3min
die lustigen Wackelfiguren werden in eine immer stärkere schaukelbewegung versetzt, links, rechts, stossen aneinander, verdrängen aneinander und rutschen stück für stück schliesslich ab. Die starke
truppe wird immer schwächer und ist ausgeliefert der bodenlosen gemeinheit des hin-und herschaukelns. währenddessen werden sie selbst immer gemeiner und verdrängen einander immer mehr. das
klopfende laute geräusch des stossens unterstreicht die gewalttätigkeit des vorganges.
Bitte unbedingt auf der page anschauen, meine fotos sind ja grässlich: http://www.jermolaewa.com/works/trying_to_survive.html
Monochrom (www.monochrom.at) bieten eine suffisante Arbeit aus 2002:
Hier ist das Amt für Globalisierungskritik, bestehend aus 318 Aktenordnern.
Hier der Text auf den Ordnerrücken zum Leichter-lesen: "It is profitable to build smaller freight traffic and distribution centers, allowing better coordination of freight movements and avoiding unnecessary shipments. Additionally, measures such as
the internalization of external expenses in freight shipment with changes in fuel taxes as well as in freight taxes are necessary."
Na - mancherorts gilt ja doch auch für Wien. Also die Doku eines Besuches in der Galerie Lindner.
Ausstellungstitel "UNGARN KONKRET" www.galerie-lindner.at
Gáyor Tibor, Etituden, 2009, Collage, je 33,5 x 33,5 cm
Maurer Dora, Quod libet 51, 2008, Holz, Leinen Acryl, 45 x 140 cm
Noch nie gesehen habe ich die Skizzen / Zeichnungen von meiner sehr geschätzten Maurer Dora. Ein bisschen überraschend für mich die Genauigkeit und den dokumentatorischen Charakter der analogen
(!) Herangehensweise.
Haász Istvan, OT, 2008, Collage, Acryl, Leinwand, 30 x 30 cm
Eine wunderschöne Arbeit, sher objekthaft und stark.
Und das Schatzkästchen der Galerie besuchen wir auch noch.
Peter Lindner beim Betrachten eines konkreten Videos von Eva Bauer.
Die Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum zeigt diesmal eine Schau aus der eigenen Sammlung von
ungarischen Künstlern und Künstlerinnen, einige davon hier aufgelistet:
Naja schadet gar nix, die Nachhilfe bei den altvorderen Konkreten .....
Victor Vasarely
1959, Biadan 1 -Acryl auf Leinwand. Na der ist schon gut, echt und ehrlich. Das Budapester Vasarely Museum
ist auch ein heisser Tipp!
Dora Maurer
1975, Zerschiebung (eines Quadrats) - Folge von 21 Radierungen
Akos Birkas
Fej 77 (kopf 77), 1986 -Öl auf Leinwand (zweiteilig)
Karoly Halasz
Hommage a Pollock I-IV, 1983 -Tusche, Tempera
Beata Veszely
Ohne Titel,1992 -Holz, Porzellanteller, Bienenwachs, Metall
Roza el Hassan
1995, Stretched object - Eisen, Elektrokabel
Aber in der Hofgalerie gibt es doch noch etwas anderes, und Überraschendes:
Ich habe den Namen noch nie gehört, obwohl er in Graz geboren wurde (1938). Kein Wunder,
er lebt in Italien.
Er untersucht das Probelm FARBE im Kontext von Fläche und Raum und setzt es in den Bereichen Malerei und
Architektur um.
Opus 002, 1977
Ja in dieser Ausstellung darf es keine Scheu vor Rot und Rosa geben:
Diese Stele ist auch 1986, und im Umschreiten reizen die schönsten leuchtenden Farbenspiele meine Augen.
Dies hier heisst "Geruch nach Haut" und ist auch aus 1986. Wahrlich, wahrlich, fast riecht man es.
"Es ist sein Bestreben, Theorie und Wissenschaft mit dem sinnlichen
Erleben von Kunst zu verbinden - wobei Farbräume immer auch als Gefühls- bzw. Empfindungsräume zu begreifen sind."
"Obwohl Tornquist historisch gesehen aus
einer breiten Tradition konstruktivistischer und konkreter Tendenzen in der Kunst (u. a. Max Bill) schöpft, geht seine Intention jedoch weiter, indem er tief in Bereiche der Wahrnehmungspsychologie
eindringt und theoretische Erkenntnisse auch praktisch umsetzt."
Pursa Fliuch aus 2009.
Gewöhnungsbedürftig.
Und so arbeitete er 1965.
Derzeit verfalle ich den dünnen Linien, sehr gerne und mit Lust.
Eine kurze Reise diesmal, nur ein Kurzbesuch beim Symposion "Kunstgebiet 09" im Begrisch Park in Perchtoldsdorf, veranstaltet von artP (Brigitte Lang und Stefan Sakic). Die TeilnehmerInnen waren
international und kamen aus der Schweiz, Italien, Japan, Korea, Bosnien-Herzegowina und Österreich.
Sabine Müller Funk (A) war die Mäherin, die uns diesen überzeugenden und spannenden Blick ermöglicht hat. www.mueller-funk.com
Ja, meine Internetfreundin besuchen - Eva Bauer, die ich über das artmesh-Portal gefunden
habe. (www.artmesh.org) Oder eigentlich sie mich! Es ist eigenartig, dass sich auch über das spröde Medium eine Art Zutrauen entwickeln kann,
auf Grund derer ich sie nun besuche. Was nutzt das ganze 2.0.nett-werken denn, wenn reale Begegnungen nicht Ziel und Inhalt sind?
Nun bin ich in ihrem Wohnatelier und sehe ihre Arbeiten erstmals. Sie arbeiten meistens mit Zahlen oder Barcodes und derer
Geometrie. Ein minimalistisches System wird mittels Oberflächenglanz, Ausschnitthaftigkeit und Rhythmus bespielt.
Auch dreidimensionale Objekte, Kuben, Würfel entstehen, Bilder, die mehrdimensional sind. Diese Multidimensionalität wird
durch Übersetzung der Formalität in Video noch verstärkt.
Eva Bauer hat eben eine Ausstellung in der Galerie Dagmar Behringer in München. www.galerie-behringer.de
Dort zeigt sie neben den Bildern auch Videos, die aus Kamerafahrten eines Mobiltelefons knapp über den farbenprächtigen Objekten entstehen.
Es sind sozusagen "konkrete Videos", die übrigens auch mit selbsterzeugten Sound hinterlegt sind.
Sehr spannend!
Nun ein kleiner Spaziergang durch München, Stilmischungen suchend.
Das neu errichtete Jüdische Museum liegt geschlossen und mahnend in einem großen Platz, der zum Innehalten einlädt. www.juedisches-museum-muenchen.de
Eine sehr nette künstlerische Intervention am angeschlossenen Kinderspielplatz:
4 tage bei freiem eintritt. Das Volk darf, ja soll schauen….
Es ist ein privates Museum von Udo und Annette Brandhorst, die 1970 mit dem Sammeln begonnen haben und vor ein paar Jahren
ihre Sammlung von über 700 Werken dem Freistaat Bayern geschenkt haben. Mit der Auflage, einen Museumsbau dafür zu erhalten. Eine Stiftung von 120 Millionen Euro soll die weitere
Sammlungstätigkeit sicherstellen.
Eine solche aufwendige Fassade! 36000 glasierte Keramikstäbe in insgesamt 23 Farben bilden großteils die äußere Haut. Es
ist ein Bild, ein Farbenspiel, das hier dreidimensionale Form erreicht. Mit Der Bewegung verändert sich ständig das Farbenspiel, die Schattenwirkung erweitert die Struktur und die Lichtsituation
verändert die Farbstimmung völlig. Laut Information soll das feinporige Keramikmaterial Verkehrslärm absorbieren.Nun, das konnte ich nicht überprüfen, ich wollte nicht eine Stunde in der Schlange
warten.Ein Rundgang musste genügen.
Die Kunstwerke selbst muss ich mir ein anderes Mal ansehen, wenn sich der Ansturm gelegt hat. Cy Twombly soll ein eigenes
Stockwerk bespielen, auch Andy Warhol soll stark vertreten sein.
Brandhorst steht in einem rechten Winkel zu der Pinakothek der Moderne, in ummittelbarer Nähe. Der Gegensatz von weißem
Beton und farbiger Strukturierung sticht im strahlenden Sonnelicht angenehm ins Auge.
Das Kunstareal in München ist noch dichter geworden, es scheinen insgesamt 17 Museen auf konzentrierter Fläche vereint
sein.Unter anderen die Pinakothek der Moderne. Die ich (Schlamm auf mein Haupt!) noch nicht besucht hatte. Also, dann auf in den weißen Kunsttempel. www.pinakothek.de/pinakothek-der-moderne
Ein riesiges großzügiges Gebäude mit vielfältigen Räumen und Widmungen: Fotografie, Design, Graphik, Kunst
Der sonnige Tag verleitet dazu, sich den vielfältigen Spiegelungen und Lichtstimmungen hinzugeben....
„Die Gegenwart der Linie“ ist eine wunderbare vielfältige Ausstellung, die tatsächlich die Linie in all ihrer
Ausdrucksfähigkeit erlebbar macht. Es ist sehr dunkel in den Ausstellungsräumen – so keine Fotos.
Im Designbereich gibt es eine Hommage an Billy (Ikea!) mit Gustostückerln der Designgeschichte quer durch die
Alltagskultur zu sehen. („democratic design“). Die Fernsehwerbung von africola aus den Sechzigern war ein einziger Glücksfall. „In africola ist ALLES drin“ mmh mmh yeah, der Rausch und die Erotik
inbegriffen.
Na und dann auf in den ersten Stock, mit der eigentlichen Sammlung der modernen Kunst. Sehr viel klassische Moderne, die
sich allerdings hier ganz anders präsentiert als z.B. in Wien.
Kein Klimt, kein Kokoschka, dafür Macke, Nolde, Klee, Jawlensky, und ganz ganz viel
Max Beckmann, den ich so für mich entdecken konnte. Gerade die Porträts von Beckmann beeindruckten mich besonders.
Ganz anders stellt sich da die Erlebensgeschichte dar. Gerader, ernster, Glühender als in Österreich. Expression, die
weniger ausufert.
Mit viel Hingabe konnte ich diesen Exkurs in Malereigeschichte genießen, so stark, dass ich sogar dem Baselitz Raum sehr viel abgewinnen konnte. (!)
Im obersten Dachgeschoss des Museums fand ich zunächst NICHTS. Nur die unbeeindruckt sitzende Museumsaufsicht lieferte mir
die Gewissheit, dass da doch was ist.. Doch wo ist die Kunst?
Fred Sandback hat hier aus dünnen unaufälligen Wollfäden eine feine kleine Intervention
angebracht. Von Säule zu Säule den Weg über die Decke nehmend verbindet er mit geraden farbigen Linien den weissen runden Raum.
Die Abteilung der Gegenwartskunst der Sammlung der Pinakothek :
Hier finden sich Arbeiten von Wade Guyton, dessen Tintenstrahlarbeiten auf Leinwand den
Prozess der Herstellung malerisch subtil wie auch konzeptionell punktgenau darstellen. (EpsonUltraChromeTintenstrahl auf textilem Bildträger, 2007)
Ein paar Altmeister, die ich so großzügig noch nicht präsentiert gesehen habe. Dan Flavin.
Ein langer großer Raum mit einem Neonlichtzaun, der einer einfachen Struktur folgt, um aus einer Geraden eine Schräge zu machen. Grün leuchtendes Neonlicht, dass die umgebenden Räume natürlich
beeinflusst, so auch den, wo eine rosarote Neoninstallation von ihm zu sehen ist. beim Weg entlang der grünen Leuchten und bei der Ankunft im Rosa Zimmer sind Augen und kopf leicht
überfordert. Tiefgreifendes Körpergefühl.
(untitled (to you Heiner, with admiration and affection), 1973)
Hier eine Art Ratespiel: von wem ist dieses schöne abstrakte Bild?
Das Schreiten in den Raum, hinein in den tatsächlichen Raum, löst Vorsicht, Umsicht und Freude aus. Es ist ein Weg in den
Raum und auch wieder heraus, ein Wandeln, dass den Blickpunkt verändert.
Imi Knoebel , Schattenraum 1988
Die subtile Hängung im ganzen Museum macht das Wandeln in den Hallen zu einem Genuss. Geführt ohne Brüche von einem Thema
zum nächsten, stille, auch kommentarlose Präsentation, die sich dessen bewusst ist, dass sie wohlüberlegt ist.
Palermo 1975
Donald Judd, 1978
Besonders spürbar bei der Hängung dreier Werke, die aus völlig unterschiedlichen Bereichen kommen, und es ermöglichen, ja
fordern, Bezüge zwischen den Malereien herzustellen.
Er zeigt rundliche Bilder, glatt glänzend, spiegelnd und in grellen schönen Farben. Es sind eigentlich Skulpturen aus
Polyurethanblöcken, die mit metallic schimmernden Lacken zu verführerischen Bildobjekten transformiert werden. ("The Boston artist creates finely worked sculpture from polyurethane blocks, which
with the application of shiny metallic lacquers are then transformed into glossy picture-objects.") Lecker!