Friday, 28. january 2011
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Ein kalter verschneiter Tag und nur ein paar Stunden Zeit.
Also ein Spaziergang durch "Varosliget" Richtung Müscarnok. Dort wird eine Ausstellung "TAIWAN CALLING" gezeigt. Ein Gesellschaftsbild zwischen meditativer Selbstbefragung und politischer
Aussage.
"Thanks to the geopolitical status of the island, its artists are typically interested in language, position, identity, migration, local and global economy, and the possibilities of expressing
tradition in the present. All this bears a remarkable resemblance to Hungary’s attempts in the past few decades at finding its place in Europe, which, it is our hope, will contribute to a
sensitive reception of the exhibitions. The videos, installations and photos of the young and middle generations of Taiwanese artists provide the core of both impressive and spectacular displays,
whose probably most important goal is to show the features that distinguish this art from that of the region, particularly China and Japan. If all goes well, the viewer will come away with a
solid impression of what the art of Taiwan is like." (Müscarnok)
CHOU YU-Cheng, Representa.tiff, 2008-2009
Diese raffinierte Lichtdeckeninstallation besteht aus lauter kleinen Flaggen von Myanmar. Eine Flagge, die seit kurzer Zeit durch eine andere ersetzt wurde, entnahm ich dem Wandtext. Die Wirkung
dieses Eingriffs (der große Raum beinhaltet sonst nichts, könnte aber auch als Durchgangshalle dienen) ist beeindruckend. Man weiss nicht, wo die Kunst ist, aber man spürt sie. Ich sah mich um
und suchte hinter den Säulen in den Ecken oder so, dachte dann, okay, da ist nichts, bis ich an die Decke blickte und mir auch dann nicht ganz sicher war, ob dies nicht vielleicht eine
historische Glasmalerei ist,... Naja irgendwann kam ich dann drauf. Bin halt immer ein bisschen langsam...
Dies Kunstintervention hat mich sehr beeindruckt. Die Fotos zeigen ein Ehepaar, um die 80 Jahre alt, die seit 10 Jahren tagtäglich vor einem Ministerium in der Hauptstadt Taiwans demonstrieren,
indem sie ein selbstgemaltes Plakat hochhalten. Der Künstler (oder die Künstlerin - konnte ich dem Namen nicht entnehmen) war gewillt, sie in ihrem Ansinnen zu unterstützen und produzierte ein
wesentlich größeres Plakat, dass er mit ihnen geminsam aufstellte. Und um den Protest auch in die Kunstinstitutionen zu tragen, malte er noch ein viel viel grösseres, dass den großen Raum des
Müscarnoks gänzlich ausfüllte. Die Dimensionen sind maßstabsgerecht dem Ursprungsplakat entnommen.
Leider fand ich weder im Begleitbooklet noch auf der Website Namen oder nähere Information zu dieser Installaation.
Eine wesentlich persönlichere Aussage bildet dieses Rad mit dem Titel I am Mia Liu,von Mia Wen-Hsuan Liu.
Es ist vollkommen aus Tickets aus dem Guggenheim Museum gebildet. Die Künstlerin schrieb auf jede Karte diesen Satz "I am Mia Liu" und diese Schrift ist an den Karten als schwarze Stellen
erkenntlich und somit ergibt sich dieses unregelmässige Bild auf einem regelmässigen Raster.
Eine ebenso bezaubernde Arbeit erschloss sich in der weisen Videobox von WANG Ya-hui, Titel: "Sunshine on tranquility" (2005).
Ein stiller, fast leerer Raum ist zu sehen, dessen Wände und Grenzen ganz unmerklich verändern. Türen und Nischen verkleinern sich oder öffnen neue Räume, Sonnenlicht dringt durch schmale Spalten
um später den Raum hell zu erleuchten. Die Künstlerin meint dazu, dieser Raum sei mit ihrem "inneren Raum" vergleichar.
Diese technisch anmutende Lichtinstallation ist ganz das Gegenteil, lädt ein zum Verweilen, zum Staunen und Geniessen.
"Wires" von WU Chi-Tsung, 2003
Ein Drahtgeflecht ist auf einem Rad eingespannt, welches sich unendlich langsam dreht. Das Bild, das an der Wand zu sehen ist, entsteht durch die Nahaufnahme dieses Drahtgeflechtes,
möglicherweise nur durch Onjektive und Spiegelungen erzeugt.
Jedenfalls erscheint eine abstrakte strukturierte, manchmal scharfe, manchmal unscharfe Faltenlandschaft. Es verändert sich unmerklich und stetig, ist rauh und schön, der stetige Fluß
möchte angehalten werden. Neben dem realistisch scharfen Netz sind FArbstreifen bemerkbar, rot blau grün, die durch die Lichtbrechung entstehen, eine eigenartige Mischung aus Realität und
Virtualität.
Am Abend gibt es die Vernissage von "Transparency" im Vasarely Museum, kuratiert von Dora Maurer. Eine schöne, klare Schau, ein paar Leckerbissen der Geschichte (Vasarely, Moholy Nagy). Auch ein
wunderbares Video von Dora Mauerer selbst. Die Lichtverhältnisse in den Räumen sind aber sehr schwierig, deshalb kaum Fotos gemacht. Ausserdem waren jede Menge Leute bei der Eröffnung.
Hier ein Blick in die Ausstellung- die blitzblaue Acrylglasarbeit im Hintergrund ist von Regine Schumann (D).
Sowie die zwei grossen Aquarelle von Fritz Ruprechter, die in ihrer feinen Materialbehandlung bestechend sind:
Und natürlich die Arbeiten von Eva Sarközi Pusztai, zarte ungewöhnliche Graphitspuren auf Papier, die ein dichtes unwirkliches Licht und Raumgefüge ergeben.
Hier die Künstlerin vor ihrer Arbeit